Norwegen

Der Beginn der Reise: Abschied nehmen 05.05.2022

Die letzten zwei Jahre waren geprägt von einschneidenden und traurigen Erlebnissen. Wir wurden mit Krankheiten und Todesfällen konfrontiert. Nach dem Verlust eines lieben und wichtigen Menschen in der Familie, haben wir uns angeschaut und sowas gesagt wie, „wir machen das jetzt einfach, man weiß nie ob es richtig ist, besser wird oder es später noch so funktioniert wie jetzt“. Wir sind beide keine „auf später, irgendwann mal“ Denker. Meine Mama Luka sagt immer, „es gibt für alles eine Zeit“ und „immer mit der Ruhe und dann mit einem Ruck“. Wir haben uns den Ruck gegeben und empfinden, dass jetzt die Zeit für uns ist, auf Reisen zu gehen. 

Nachdem wir den Entschluss gefasst hatten, ging es zügig los mit der Kündigung unserer Arbeitsstellen und der Wohnung. Wir begonnen damit unsere Wohnung auf- und auszuräumen, unsere Möbel, Autos, und alles, was wir nicht behalten wollten zu verkaufen oder zu verschenken. LaRossa hatten wir schon vergangenen Herbst, zu Björn und Nadja von der Bootswerft Maleika, nach Bremen geholt.  Der Umzug aufs Schiff Mitte Februar konnten wir daher teilweise mit dem Fahrrad machen. 

Beim Ausräumen haben wir mal wieder festgestellt, dass es sich hin und wieder doch lohnen würde einen Blick in die „ich brauch das bestimmt nochmal irgendwann“ Kartons zu werfen.  Zwar hatten wir nur eine kleine Wohnung, aber einen genauso großen Dachboden und einen Kellerraum, die sehr erstaunliche und natürlich (für später einmal) wichtige Dinge zum Vorschein gebracht haben. Wir sind mehrfach zum Recyclinghof gefahren… Sowas tut ja auch gut, weiß man auch, macht man dennoch zu selten. Wir zumindest. Nun ist LaRossa also vermeintlich nur noch mit den Dingen eingeräumt, die wir dringend brauchen. Meine Schwiegermutter Birgit hat aber schon das Angebot unterbreitet, uns mit einem Sprinter zu besuchen, für den Fall, dass wir im Laufe der Zeit doch nicht alles ganz so dringend benötigen. 

Einige Arbeiten am Schiff standen bis zur Abfahrt noch an. So wurde u.a. eine neue Batterie- und Ladetechnik eingebaut, die Navigation neu aufgesetzt und diverse Teile ausgetauscht bzw. überholt. Das hat sich gelohnt. Jetzt können wir unseren Strombedarf weitestgehend unabhängig und regenerativ erzeugen. Dafür haben wir einen Windgenerator und zwei große Solarpaneele. In Verbindung mit neuen Lithiumbatterien kommen wir gut klar. 

Während Martin schon Ende Januar aufgehört hat zu arbeiten und dadurch die meiste Arbeit am Schiff erledigen konnte, habe ich bis Ende März noch in Vollzeit gearbeitet. Obwohl ich bereits 2020 von Stuttgart nach Bremen zurückgezogen bin (ich habe dennoch weiter für meinen Arbeitgeber in Stuttgart gearbeitet), ist mir der endgültige Abschied aus Stuttgart, von den Freunden und den Arbeitskollegen sehr schwer gefallen. Mit Stuttgart sind viele schöne Erinnerungen verbunden. 

Im April waren wir mehrfach in unserer alten Heimat, was für Martin Bottrop und mich Siegburg bedeutet. Wir haben die Zeit Zuhause, mit der Familie und den Freunden sehr genossen. Wir hoffen auf baldige Wiedersehen. Irgendwo auf dieser Reise. 

In Bremen hieß es dann Abschied nehmen von den Freunden aus alten Studientagen und von unseren gerade so lieb gewonnen neuen Freunden rund um die Bootswerft Maleika und den anderen Segelverrückten, die wir in der Zeit noch kennenlernen durften. Aber auch hier hoffen wir, auf ein Wiedersehen, aber nicht in Bremen, sondern auf See. 

Mit dem Hochwasser um 6 Uhr in Bremen haben wir am 05.05.2022 abgelegt. Kurs Bremerhaven. Das letzte Treffen mit Martins Eltern und unserem Freund Meinolf. Mit einem Zwischenstopp auf Helgoland ging es dann los Kurs Null-Grad, nach Norwegen.