Norwegen

Ausgerechnet an Pfingsten in Bergen

05. Juni 2022

In Bergen laufen wir über das Pfingstwochenende ein. Die Feiertage hatten wir total vergessen und daher nicht in unserer Essens- und Einkaufsplanung berücksichtigt. Wir sind leergelaufen an frischem Obst und Gemüse und müssen einkaufen gehen. Daher verbleiben wir von Sonntag bis Dienstag in Bergen.  Wir liegen direkt an den alten, bunten Holzhäusern. Ein schönes Postkartenmotiv und sicherlich toll für Alle, die gesehen werden wollen. Zwischen den Holzhäusern und uns führt eine große Straße und hier wird gezeigt, was in den Autos steckt- oder auch nicht. Hinter uns liegen mehrere Motorboote im Päckchen, die morgens um 9 Uhr schon mit der Party anfangen. Netterweise dürfen wir auch mitmachen, also zuhören und zuschauen. Abends den leicht bekleideten Damen, die irgendwelche Tanzmoves hinlegen, die zum schreien komisch sind. Also ein bisschen Hafenkino gibt es auch für uns. Wir gönnen uns einen Aperol und lachen uns schlapp. 

Zu Fuß erkunden wir die Stadt, lassen uns treiben, gehen aber auch abseits der Touristenströme in die kleinen Gassen und schauen natürlich im ganzjährigen Weihnachtsladen vorbei.  Wir stellen fest, Bergen gefällt uns überhaupt nicht. Die Stadt ist erstaunlich dreckig und ungepflegt. Obwohl hier die großen Kreuzfahrer anlegen scheint es überhaupt kein Konzept zu geben, keine Idee, wie man den Hafen und das so bekannte Postkartenmotiv gestalten könnte. Uns kommt Stavanger in den Kopf, ebenfalls besucht von Kreuzfahrern und Touristen. Hier wurden jeden Morgen die Straßen gereinigt. In Bergen sind die Straßen ekelig dreckig, überall liegt Müll, es stinkt. Scheinbar wird hier nie gesäubert und kaputte Gehwege werden einfach mit Teer übergossen, anstatt passende Platten zu verlegen. Es gibt kein Grün, keinen einzigen Baum entlang des Hafens- dem Aushängeschild von Bergen. Am Ende des Hafens ist ein kleiner Markt. Hier kann man Fisch kaufen und sich gleich zubereiten lassen. Daneben Eisbuden, Stände mit Socken usw. Charme wie auf einem Pariser Marché gekreuzt mit einem Rummelmarkt oder einer Kirmes, ohne Toiletten oder Mülleimer.  Ein ungefähres Bild im Kopf? Vielleicht auch einen Geruch? Schön, also nicht schön. Daher wollten wir weg. Konnten wir aber ja nicht, da wir bis Dienstag warten mussten. Entsprechend top gelaunt waren wir irgendwann. Dienstag ging es dann endlich los in Richtung Norden. Raus aus der Stadt, rein in die Ruhe, die Natur, ohne Autos, Trubel und üblen Gerüchen. Vielleicht haben wir die Weite, die Stille und die Natur Norwegens schon so eingeatmet, dass uns Stadt nicht mehr gefällt? Passt nicht zu uns, nicht zu Leonie, als Stadtentwicklerin. Es muss an Bergen selbst liegen.  Warten wir es ab, es folgen noch einige Städte auf unserer Route. Aber jetzt genießen wir erstmal die Ruhe und die Natur, gehen wandern und machen eine schöne Kajaktour. Und dann genießen wir auch wieder den Regen, die Sonne lässt sich nämlich immer nur kurz blicken. 

Erkenntnis der Tage: Zwischendurch den Kalender auf Feiertage prüfen.