Norwegen

Durch die Schären in Richtung Bergen 

01. Juni 2022

Nach einer Woche verlassen wir den Hardangerfjord und nehmen langsam Kurs Richtung Bergen. Kurz hinter dem Hardangerfjord sehen wir die „PIONEERING SPIRIT“ von Allseas, das weltweit größte Arbeitsschiff und das weltweit größte jemals gebaute Schiff nach Bruttoraumzahl und Breite. Sie ist 382 Meter lang, ganze 123 Meter breit und kann bis zu 48.000 Tonnen heben. Die Größe ist unfassbar und erschlägt uns fast. Martin, als Schiffbauer und Ingenieur, ist total begeistert und hält ein Kurzreferat. Wir fahren nicht direkt nach Bergen, sondern machen zwischendurch Halt in einer der vielen kleinen Buchten und Häfen in den Schären vor Bergen. Zuerst halten wir in Rubbestadneset. Der Hafen ist klein, eng und sehr flach. Wir fahren La Rossa langsam an den Gästelieger und quetschen und neben eine andere Yacht. Hier in Rubbestadneset ist Anne, die Frau von Leonies Bruder Philipp, also unsere Schwägerin, aufgewachsen. Wir laufen zu Annes früherem Elternhaus und ihrer Grundschule und rätseln darüber, wo Anne als kleines Kind gespielt hat. Der Hafenmeister erstattet uns die Liegegebühr, da wir die Bezahl-App Vipps als Touristen nicht benutzen können und es keine Barkasse gibt. So geht es uns übrigens mehrfach, wodurch wir ganz ordentlich sparen. Die Liegeplatzgebühren betragen hier zwischen 35-50 Euro pro Nacht, da kommt ein bisschen was zusammen. Nach Rubbestadneset segeln wir weiter und machen in der Bucht von Tyssøyna mit Bug- und Heckleinen fest. Hier verbringen wir zwei wunderbare, entspannte Tage. Das Wetter wird immer besser, die Sonne bleibt uns erhlaten und es wird richtig warm. So langsam werden es sommerliche Temperaturen und wir bekommen Lust schwimmen zu gehen. Nach einem kurzen Temperaturcheck 13,8°C, springen wir vor dem Sprung ins Wasser noch in unsere Neoprenanzüge. Mit den Neos halten wir es im Wasser gut aus, allerdings kühlen unsere Hände schnell aus. Das Rausklettern wird nach einer halben Stunde recht spannend, da wir kaum noch Gefühl in den Händen haben, aber die Badeleiter irgendwie hoch müssen. Nachdem wir wieder trocken sind, machen wir eine Wanderung auf den höchsten Berg der kleinen Insel und genießen den Ausblick über den Schärengarten, bis zu den Hohen Bergen auf dem Festland. Abends versuchen wir uns an der Angel, ohne Glück. Am nächsten Morgen machen Archie und Leonie noch eine kleine Wandertour. Da wir in der Mitte der Bucht liegen, nutzen wir das Dinghi um an Land bzw. wieder zurück zum Schiff zu kommen. Am Schiff angekommen klettern beide an Deck. Nach ein paar Minuten kommt von Leonie „ich glaube wir haben unser Dinghi verloren…“. Ja, da treibt es langsam und mit ein bisschen Rückenwind an uns vorbei und die Bucht hinaus. Martin zieht sich die Hose aus, will hinterherspringen und das Dinghi holen. Schnell erinnert er sich aber an die kalten Hände von gestern und unterlässt die Aktion. Wir sind eben noch nicht im Mittelmeer, sondern in Norwegen. Unsere einzige Chance ist, „Leinen los“ und hinterher. Es wird etwas hektisch. Wir können die Leinen nicht einholen, da sie an Land festgemacht sind. Zwei von den Leinen schwimmen, ausgerechnet die Heckleinen, sodass wir aufpassten müssen uns diese nicht in die Schraube zu ziehen. Nach 15 Minuten haben wir das Dinghi wieder und Leonie düst zurück an Land um unsere Leinen einzusammeln. Danach geht es dann wieder gemütlich zu und wir nehmen Kurs auf Bergen. Erkenntnis des Tages: Dinghi festmachen schützt vor Hektik und Sprüngen ins kalte Wasser :-)